Hochwasser und Unwetterschäden – welche Versicherung zahlt?

Das Hochwasser, welches 2013 viele Regionen von Ost- und Süddeutschland überschwemmte, war bereits das zweite „Jahrhunderthochwasser“ innerhalb weniger Jahre. Entsprechend rechnen nicht nur die Anwohner betroffener Städte und Gemeinden inzwischen mit der Zunahme solcher extremen Wetter- und Naturereignisse. Neben notwendigen Sicherheitsvorkehrungen (sowohl privat als auch durch staatliche Maßnahmen, z. B. größere Deiche, Spundwände, Flutmulden oder mehr Flächen in den Überschwemmungsgebieten) gilt in den Hochwassergebieten vor allem der richtige Versicherungsschutz als wichtig.

Durchnässte Wände, vollgelaufene Keller, überflutete Heizungsanlagen und Öltanks sowie verschlammte Möbel – die Schäden nach einem Hochwasser oder Unwetter sind immens. Insbesondere finanziell können solche Schäden schnell existenzbedrohend werden. Wer zahlt für die Sanierung eines Gebäudes oder der Wohnung? Wer ersetzt den beschädigten Besitz?

Versicherung unmittelbar informieren

Um diese Fragen zu klären, empfiehlt sich ein schneller Anruf beim Versicherer. Möglichst direkt nachdem sich das Wasser zurückzieht. Die eigentliche Schadensmeldung sollte per Einschreiben mit Rückschein an die Versicherung gehen. Hilfreich sind darüber hinaus eine Liste der beschädigten Gegenstände sowie Fotos zur Dokumentation.

Wichtig: Vielfach wollen Betroffene die Schäden sofort beseitigen. Allerdings entsenden Versicherungen häufig einen Gutachter. Dessen Schadensaufnahme sollte abgewartet werden. Erlaubt ist hingegen die umgehende Entfernung von Möbeln und Hausrat, sofern diese den Zugang zu Räumlichkeiten beeinträchtigen. Ebenfalls sind Gefahrstellen zu entfernen bzw. zu sichern. Individuell bietet sich eine Absprache mit der Versicherung an, inwieweit Schäden direkt beseitigt werden können. Das gilt sowohl für Hochwasser- als auch Unwetterschäden.

1. Wie sind Gebäude gegen Hochwasser- und Unwetterschäden versichert?

Versichert sind Schäden an Fassade, Dach, Fenstern und Türen eines Gebäudes über die Wohngebäudeversicherung. Speziell Hausbesitzer in Risikogebieten, also in unmittelbarer Nähe eines Flusses oder Gewässers, sollten zusätzlich über einen integrierten Elementarschadenschutz verfügen. Nur über die Zusatzvereinbarung lassen sich Schäden bei Hochwasser oder Starkregen regulieren. Auch ein Versicherungsschutz gegen Lawinen, Erdbeben oder Schneedruck ist optional abschließbar.

Manko: Anwohner in Hochwasserregionen erhalten eben jenen Elementarschadenschutz nicht oder nur gegen teure Zusatzbeiträge. Wer in den vergangenen fünf oder zehn Jahren einen entsprechenden Schadensfall hatte, muss mit ablehnenden Bescheiden vieler Versicherer rechnen. In vielen Fällen prüfen die Versicherungen allerdings den Einzelfall.

Für alle Anwohner, die nicht direkt in Risikogebieten wohnen, ist der Elementarschadenschutz indes günstig zu haben. Laut Stiftung Warentest liegen die Kosten für den zusätzlichen Elementarschutz (inkl. Selbstbehalt) je nach Lage und Versicherungsgesellschaft bei 50 bis 450 Euro pro Jahr (Finanztest 08/2011). Bei höherem Risiko kann der Betrag nach oben hin abweichen.

Vergleich.info-Tipp: Wer eine alte Wohngebäudeversicherung aus DDR-Zeiten besitzt, sollte diese hinsichtlich des Schutzes gegen Überschwemmungsschäden prüfen. Vielfach war diese Absicherung automatisch Bestandteil der Versicherung. Insbesondere die Allianz hat solche Verträge weiterhin im Bestand, da der Versicherungskonzern das staatliche Versicherungsunternehmen der DDR 1990 übernahm.

2. Lohnt sich der Elementarschadenschutz abseits von Hochwasser-Gebieten?

Schäden durch Naturereignisse sind nicht auf ausgesprochene Risikogebiete begrenzt. Starkregen bzw. heftiger Niederschlag sorgt auch anderenorts in Deutschland für feuchte Wände und überschwemmte Keller. Läuft z. B. der Keller durch Starkregen voll, greift ebenfalls nur die Elementarschadenversicherung. Ohne diese Police muss der Hausbesitzer die Schäden aus eigener Tasche begleichen. Ebenfalls versichert sind Sturmschäden oder wenn Teile eines Baumes das Dach oder den Balkon treffen. Was zum Versicherungsschutz der Wohngebäudeversicherung ohne Elementarschaden gehört, lässt sich hier nachlesen.

3. Welche Versicherung übernimmt Schäden an Möbeln und Gegenständen?

Sämtliche Gegenstände und Möbel, die sich innerhalb von geschlossenen Räumen befinden, sind üblicherweise über die Hausratversicherung abgesichert. Jene übernimmt beispielsweise Schäden durch Feuer, Hagel, Leitungswasser oder Diebstahl. Wie die Aufzählung zeigt, fehlen hier erneut Elementarereignisse wie Hochwasser bzw. Starkregen. Derartige Schäden lassen sich – ähnlich der Wohngebäudeversicherung – nur über einen Elementarschadenschutz mitversichern. Gleichermaßen gilt: Anwohner von Risikogebieten haben es schwer, an den entsprechenden Versicherungsschutz zu gelangen. Lediglich Versicherte in den neuen Bundesländern profitieren in einigen Fällen von bestehenden „Haushaltsversicherungen“ mit Überschwemmungsklausel aus DDR-Zeiten. Ein spezieller Fall sind Kurzschlüsse oder Überspannungsschäden nach einem Blitzeinschlag. Überspannungsschäden nach Blitzeinschlag in eine Überlandleitung fallen auch in den Bereich des Elementarschadenschutzes und werden in den Verträgen meist separat aufgeführt. Über den Schutz gegen Überspannungsschäden sind Schäden an elektrischen Geräten abgedeckt.

Vergleich.info-Tipp: Da die Hausratversicherung allgemein zu den wichtigsten Policen im Haushalt gehört, empfiehlt sich, regelmäßig (1 x jährlich) die Deckungshöhe und den Leistungsumfang zu prüfen. Bei dieser Gelegenheit lassen sich auch die Kosten für eine Erweiterung um den Elementarschadenschutz unter die Lupe nehmen.

4. Wer zahlt, wenn das Auto im Wasser steht?

Sturm- und Wasserschäden rund um das Auto deckt die Teilkasko- bzw. Vollkaskoversicherung ab. Wenn das Fahrzeug einen Totalschaden erleidet, ersetzt der Versicherer den Wiederbeschaffungswert (abzgl. eines vereinbarten Selbstbehalts sowie eines bestehenden Restwerts). Voraussetzung für die Regulierung ist aber, dass der Wagen nicht absichtlich in tieferes Wasser gefahren wurde. Sonst gibt der Versicherer unter Umständen „grobe Fahrlässigkeit“ als Grund an, um die Kostenübernahme abzulehnen. Nicht zahlen muss die Versicherung auch, wenn der Fahrzeughalter sein Auto auf einem Stellplatz abstellt, für den eine Hochwasserwarnung vorlag. Bei längerer Vorwarnzeit kann sogar die persönliche Garage als geeigneter Ort entfallen.

Vergleich.info-Tipp: Bergungs- und Abschleppkosten für einen „versunkenen“ PKW sind nicht immer Bestandteil der normalen Auto-Versicherung, sondern potentiell über einen Schutzbrief der Versicherungsgesellschaft oder eines Automobilclubs (z. B. ADAC) geregelt.

Wichtig: Der Schadensfreiheitsrabatt (SF) wird bei Hochwasserschäden nicht angetastet, d. h. die Schadensfreiheitsklasse bleibt nach dem Schaden unverändert.

Wichtige Versicherungen Vorteile und Details
Wohngebäudeversicherung Wichtige Versicherung für Hausbesitzer und Immobilieneigentümer – Absicherung von Elementarschäden wie Hochwasser, Lawinen, Sturm, Erdbeben
Hausratversicherung Absicherung des persönlichen Hausrats. Schutz vor den finanziellen Folgen von Hochwasser bei zugehörigem Elementarschutz, Sicherheit bei Einbruchdiebstahl, Leitungswasser oder Sturm
Vollkasko und Teilkasko Ersetzt Schäden durch Naturgewalten – Schutz gegen Diebstahl und selbstverschuldete Unfälle

5. Sind Hochwasserschäden steuerlich absetzbar?

Kosten von Hochwasserschäden an Haus oder Wohnung, die nicht durch eine Versicherung gedeckt sind, können als außergewöhnliche Belastung in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Absetzbar sind Kosten für die Schadensbeseitigung sowie für die Wiederbeschaffung beschädigter Gegenstände.

Banner Gebäudeversicherung

Fragen & Antworten

Sie haben Fragen zu diesem Produkt? Hier haben Sie die Möglichkeit eigene Fragen zustellen, welche dann durch unser fachkundiges Redaktionsteam beantwortet werden.

  1. Richar Leistenschlager fragte am #

    Ich habe in meiner neuen Mietwohnung, bezogen am 1.8.13, bei dem Gewitter vergessen die an meinem Wohnzimmerfrnster angebrachte Markise einzufahren. Der Sturm hat die Markise zerstört. Wird der von mir verursachte Schaden bezahlt, von der Hausrat- oder von der Haftpflichtversicherung, oder schlimmsten Falls gar nicht?

    1
    • Antwort der Redaktion vom 8. August 2013 um 17:35: #

      Sehr geehrter Herr Leistenschäger,

      sofern es sich um eine fest installierte Markise handelt, ist potentiell die Wohngebäudeversicherung für die Schadensregulierung zuständig.
      Anderenfalls ist ein Schaden an der Markise über die Hausratversicherung abgedeckt.

      Sofern der Sturm (z. B. durch Hagel oder Starkregen) Ursache des Schadens war, sollten Sie einen Blick in Ihre Versicherungsunterlagen werfen, ob dieser Schadengrund abgedeckt ist. Allerdings kann Ihnen unter Umständen Fahrlässigkeit vorgeworfen werden, sofern der Sturm absehbar oder angekündigt war. Bei besonders starken Stürmen über Windstärke 8 darf der Versicherer außerdem davon ausgehen, dass die Markise eingeholt wird (siehe Urteil des AG München Az.112 C 31663/08)

      Wir empfehlen Ihnen, den Schaden zumindest umgehend Ihrer Versicherung zu melden und diesen zu dokumentieren.

      Ihr Vergleich.info-Team

      2

Eine Frage stellen:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Bisher gibt es leider noch keine Verbrauchermeinung!

Hatten Sie bereits Erfahrungen mit diesem Anbieter?


SternSternSternSternStern

SternSternSternSternStern

SternSternSternSternStern

SternSternSternSternStern